Allgäuer Mineralien

Die Zusammensetzung der Allgäuer Gesteine ist der bestimmende Faktor für die möglichen, hier zu findenden Mineralien. Gegenüber kristallinen Gebirgen sind Vielfalt und Kristallgrößen „relativ“ eingeschränkt, jedoch lassen sich bei intensiver, geduldiger Suche durchaus seltene Exemplare in Micromountgröße finden. Man sollte aber bedenken, dass ein einmaliger Besuch einer Fundstelle kaum dazu führen wird, diese Seltenheiten zu entdecken.

Hinweise

  • Auf die Nennung von Fundorten wird bewusst verzichtet; dadurch soll verhindert werden, dass „schwarze Schafe“ unter den Sammlern durch Vandalismus, Umweltsünden und gewissenloser Ausbeutung zu Verboten und Sperrungen führen. Auch sind viele Fundstellen inzwischen leider erloschen oder nicht mehr zugänglich.
  • Ebenso werden keine mineralogischen Eigenschaften genannt; diese können in der Fachliteratur nachgelesen werden.
Achat SiO2
Quarzsubstanz als oft bunt gefärbter gebänderter Chalcedon im Radiolarit oder in Flussgeschiebe.
Analcim Na(Si2Al)O6·H2O
Ein im Allgäu seltenes Gerüstsilikat aus der Familie der Zeolithe.
Anatas TiO2
Anatas kommt selten, dann aber in gut ausgebildeten Kristallen im Brisisandstein vor, auch als Zwillinge, transparent in blauer Farbe, allerdings nur in Größen bis ca. 0,5 mm.
Ankerit Ca(Fe,Mg,Mn)(CO3)2
Ankerit, ein Karbonat ähnlich dem Dolomit, bei dem allerdings das Magnesium zum großen Teil durch Eisen ersetzt ist, das auch die meist gelblich-braune Farbe verursacht.
Apatit-Gruppe (Ca,Ba,Pb,Sr,etc.)5(PO4,CO3)3(F,Cl,OH)
Der Name „Apatit“ steht für eine ganze Familie von Mineralien. Ein Beispiel: der Hydroxylapatit, der Stoff, aus dem die Zähne sind. Im Bild ein Karbonathydroxylapatit.
Aragonit CaCO3
Aragonit ist im Allgäu von mehreren Fundpunkten in gebänderter Form bekannt. Dazu kommen sie in der typischen Spindelform natürlich vor sowie nadelig in Schlacken.
Asphalt
Natürlicher Asphalt als Endprodukt von Erdöl nach Entweichen flüchtiger Anteile. Kein eigenständiges Mineral. Abgebildet: eine hochglänzende Kugel zwischen Calcit-Kristallen und nierenförmig mit Anlauffarben.
Baryt BaSO4
Baryt kommt im Allgäu an verschiedenen Fundstellen vor als milchig-trübe oder farblos-klare, teils gelbliche Kristalle, Größe meist bis ca. 1 mm.
Bernstein
Das fossile Harz kommt z.T. in honiggelber Farbe vor u.a. in Sandsteinschichten.
Bornit Cu5FeS4
Das auch Buntkupferkies genannte Kupfermineral ist im Allgäu extrem selten.
Brookit TiO2
In Brisisandsteinklüften konnten einmalig auf Quarzkristallen aufgewachsene Brookit-Kristalle gefunden werden.
Calcit CaCO3
Calcit ist weit verbreitet im Allgäu in glasklaren Rhomboedern und Skalenoedern, als Kanonenspat, und in vielflächigen Kombinationen, auch als Zwillingsbildungen.
Cerussit PbCO3
Cerussit kommt vor im Wettersteinkalk als Sekundärmineral, oft in Verbindung mit Galenit als Primärerz.
Chalcedon SiO2
Chalcedon ist ein kryptokristalliner Quarz, d.h. er ist aus winzigsten Quarz-Kriställchen aufgebaut. In gebänderter, oft farblich attraktiver Musterung wird er als → Achat bezeichnet. Weitere feinstkristalline Varietäten sind je nach Farbe und Mikrostruktur Jaspis und Karneol.
Chlorit-Gruppe (Fe,Mg,Al)6(Si,Al)4O10(OH)8
Bei einem eindeutig als Schichtsilikat bestimmten Mineral handelt es sich um ein Mitglied der Chlorit-Gruppe, evtl. Klinochlor.
Coelestin SrSO4
Das Strontiumsulfat Coelestin ist vom Bariumsulfat Baryt visuell nicht zu unterscheiden.  Die beiden Fotos zeigen eindeutig bestimmte Coelestinkristalle.
Cuprit Cu2O
Winzige Cupritkristalle in Oktaederform wurden entdeckt im Hohlraum eines Bachkiesels aus Jaspis.
Dolomit CaMg(CO3)2
Dolomit in klaren Kristallen und gelblich eingefärbt, vermutlich durch geringe Eisenanteile.
Fayalit Fe2SiO4
Fayalit ist als ein Endglied der Mischserie Forsterit (Mg2SiO4) – Fayalit (Fe2SiO4) ein anerkanntes Mineral. Im Allgäu ist es bisher nur aus Schlacken bekannt geworden.
Fluorit CaF2
Fluorit ist bekannt für seine Farbenvielfalt. So zeigt er sich auch im Allgäu mal farblos klar, mal weiß, grün oder violett, meist in kleinen, würfeligen Kristallen.
Fougèrit Fe8(OH)16CO3·3H2O
Fougèrit, auch als „Green Rust“ bezeichnet, bildet sich in Schlacken durchsichtig grün, wird meist aber sofort nach Kontakt mit der Atmosphäre undurchsichtig gelb-rostbraun.
Gagat
Gagat ist kein eigenständiges Mineral sondern durch Bitumen imprägniertes, in Kohle umgewandeltes fossiles Holz.
Galenit PbS
Galenit kommt vor im Wettersteinkalk oder auch in hydrothermalen Gängen. Typisch sind die hochglänzenden Spaltflächen des kubischen Minerals.
Gips CaSO4·2H2O
Größere Vorkommen von Gips sind in den Raibler Schichten eingelagert. Sie werden als Zuschlagsstoff für die Zementherstellung abgebaut. Ästhetisch ausgebildete Kristalle sind im Allgäu meist Verwitterungsprodukt von Sulfiden, sie können aber auch in Blasenhohlräumen von Schlacken gefunden werden.
Glaukonit (K,Na)(Fe,Al,Mg)2(Si,Al)4O10(OH)2
Glaukonit ist als ein eisenhaltiges Schichtsilikat Mitglied der Glimmer-Gruppe. Glaukonitreiche Sandsteine werden Grünsandsteine genannt, die in der Vergangenheit für die Herstellung des Pigments „Grüne Erde“ in der Malerei genutzt wurden.
Glimmer-Gruppe (Beispiel: Biotit: K(Mg,Fe)3(Si3Al)O10(OH,F)2)
Glimmer sind in Allgäuer Gesteinen selten. In den Fotos ein brauner, tafeliger Biotit neben Granat, rosettenartig auf Quarzsandstein gewachsene Glaukonit-Glimmer und ein eher untypisch ausgebildeter Biotit.
Goethit α-FeO(OH)
Goethit kommt oft unscheinbar derb im Gestein eingewachsen vor, z.T. aber auch nierenförmig, hochglänzend als „Glaskopf“. Er ist ein Hauptbestandteil von Limonit, der als Verwitterungsprodukt eisenhaltiger Mineralien diese überzieht oder pseudomorph ersetzt.
Granat-Gruppe (Beispiel: Almandin: Fe3Al2(SiO4)3)
In Gesteinen des Allgäus tritt Granat als Almandin auf in dunkelroten, fast schwarzen Kristallen im Glimmerschiefer. Weitere Mitglieder dieser umfangreichen Gruppe finden sich im → Schlich.
Greenockit CdS
Das seltene Cadmiumsulfid Greenockit konnte in gelben, pulvrigen Belägen nachgewiesen werden.
Hämatit Fe2O3
Hämatit kristallisiert oft in hochglänzenden hexagonalen Tafeln, auch rosettenartig gruppiert. Er war neben Goethit und Limonit ein Haupterzmineral in den oolithischen Reicherzschichten am Grünten.
Hemimorphit Zn4Si2O7(OH)2·H2O
Hemimorphit kann in Paragenese mit Blei-Zink-Mineralien auftreten, ist aber im Allgäu extrem selten.
Laumontit Ca(Si4Al2)O12·4H2O
Laumontit, ein Mineral aus der Zeolith-Gruppe, oft mit typisch schräger Endfläche.
Limonit FeO(OH)·nH2O
Limonit ist ein braunes bis gelb-braunes Gemenge aus z.T. wasserhaltigen Eisen-Hydroxiden und besteht vorwiegend aus Goethit und Lepidokrokit. Es kommt häufig als Verwitterungsprodukt von eisenhaltigen Mineralien vor.
Malachit Cu2(CO3)(OH)2
Im Gegensatz zum chemisch sehr ähnlichen Azurit, der bislang vom Allgäu nicht bekannt ist, ist Malachit zwar klein aber bereits mehrfach gefunden worden.
Manganit MnO(OH)
Radiolarit ist mancherorts durchzogen von Manganmineral-Gängen, die in kleinen Klüften u.a. Manganitkristalle enthalten.
Markasit FeS2
Markasit und Pyrit sind visuell oft schwer zu unterscheiden, insbesondere die häufig innigen Verwachsungen der beiden Ausprägungen dieses Eisensulfids. Typische Zwillingsbildungen erleichtern die Zuordnung.
Natrolith Na2(Si3Al2)O10·2H2O
 Natrolith, ein Mineral aus der Gruppe der Zeolithe, im Idealfall gut zu identifizieren anhand seiner typischen Endflächen, nur schwer aber, wenn er längere Zeit der Verwitterung ausgesetzt war.
Olivin
   Olivin ist kein eigenständiges Mineral, sondern ein Mitglied der Mischserie Forsterit (Mg2SiO4) – Fayalit (Fe2SiO4)
Plagioklas
Plagioklas ist kein eigenständiges Mineral. Er steht für eine ganze Serie von Feldspat-Mineralien wie die Mischkristallreihe Anorthit-Albit und ist Hauptbestandteil verschiedener Gesteine wie z.B. Granit, Spilit u.a.
Prehnit Ca2Al2Si3O10(OH)2
Prehnit bildet tafelige Kristalle, die oft zu farblosen bis hellgrünen Kugeln mit radialstrahligem inneren Aufbau aggregiert sind.
Pyrit FeS2
Pyrit, ein „Durchläuferminerall“, d.h. ein Mineral, das praktisch überall vorkommen kann, so natürlich auch im Allgäu in unterschiedlichsten Ausbildungen.
Pyrolusit MnO2
Das Manganmineral Pyrolusit bildet meist nadelige Kristallgruppen.
Pyrrhotin Fe1-xS
Pyrrhotin bildet oft bronzefarbene, sechsseitige Tafeln, auch in Rosetten angeordnet. Unterschiedliche, durch das „x“ charakterisierte Eisenanteile definieren die verschiedenen Polytypen dieses Minerals.
Quarz SiO2
Klein, aber interessant sind die Quarze des Allgäus: klare Kristalle, als Zepterquarze, oder auch mit Einschlüssen von gasförmigen und flüssigen Kohlenwasserstoffen .
Rutil TiO2
Rutil ist oft gelb oder rotbraun und neigt zur Bildung von knieförmigen Kristallzwillingen. Flache, netz- bis gitterartige Zwillings-Verwachsungen von nadeligen Kristallen bezeichnet man als Sagenit.
„Schlich“
„Schlich“ – das beim Goldwaschen anfallende Schwermineralkonzentrat – enthält auch Mineralien, die nicht oder kaum in Allgäuer Gesteinen auftreten (Gold, Granat, Rutil, Glimmer, …) sowie kugelförmige Mini-Meteoriten.
Schwefel S
Schwefel kann sich wie Aragonit, Gips, Vivianit u.a. in Schlacken der Eisen-Verhüttung bilden.
Smithsonit ZnCO3
Das Zinkkarbonat Smithsonit kommt vor als Sekundärmineral auf Blei-Zink-Fundstellen.
Sphalerit (Zn,Fe)S
Sphalerit (Zinkblende) ist selten farblos zu finden. Meist ist er je nach Eisenanteil gelb bis braun und sogar schwarz. Auch rote und grüne Farben sind verbreitet vorhanden. Eine typische Kristallform ist das Tetraeder. Ein häufiger Begleiter ist Galenit (Bleiglanz). Schalenblende ist ein schalig aufgebauten Mineralgemenge überwiegend aus Sphalerit, Galenit und anderen Sulfiden.
Spinell MgAl2O4
Zum namengebenden Spinell existiert eine große Gruppe strukturell identischer „Spinelle“ mit unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung, z.B. auch der Chrom-Spinell „Chromit“, FeCr2O4.
Strontianit SrCO3
Häufige Ausbildungen von Strontianit sind radialstrahlige Büschel oder dichte „Igel“ von meist weißen bis farblosen Nadeln.
Thomsonit NaCa2Al5Si5O20·6H2O
Thomsonit kommt oft in farblos-klaren tafeligen Einzel-Kristallen vor oder als Fächer aus solchen Tafeln, aber auch als nahezu perfekte Kugeln.
Turmalin
Turmalin ist eine äußerst variantenreiche Mineralgruppe mit sehr komplexen Strukturformeln. Z.B. lautet diese beim einfachen, fast schwarzen Schörl: NaFe3Al6(BO3)3Si6O18(OH)4. Von diesem hin zum edlen, oft mehrfarbigen Schmuck-Turmalin Elbait braucht es nur den Ersatz von Eisen durch die Elemente Li und Al. Im Foto könnte es sich um einen Dravit handeln, bei dem das Eisen ersetzt ist durch Magnesium.
Vivianit Fe3(PO4)2·8H2O
Vivianit ist im Allgäu in Schlacken gefunden worden. Da Schlacken nicht natürlichen Ursprungs sind, ist die Anerkennung von Schlackenmineralien als „Mineralien“ umstritten. Die meisten Sammler zählen sie aber dazu, insbesondere weil Vivianit andernorts durchaus natürlich vorkommt.
Wüstit FeO
Wüstit kann in Eisenmeteoriten oder wie im vorliegenden Fall in Schlacken gefunden werden und wird meist als Mineral anerkannt.
Wulfenit PbMoO4
Die Farben des im Allgäu seltenen Wulfenits, früher auch als Gelbbleierz bezeichnet, variieren typisch zwischen gelb, orange und braun. Tafelige Kristallformen überwiegen, aber auch Bipyramiden und andere Formen sind möglich.
Zirkon ZrSiO4
Zirkon, ein Mineral mit Diamantglanz, hoher Härte und hoher Lichtbrechung, wird gerne als Schmuckstein verarbeitet, aber auch in der Technik und wegen häufiger Spurenanteile an radioaktiven Elementen zur Altersbestimmung von Gesteinen.